Kreuzberg – größte türkische Ansiedlung in Mitteleuropa
Für viele Bewohner deutscher Großstädte kommt eine Reise in die Türkei überhaupt nicht infrage. „Ich habe schon zuhause genügend Türken um mich, da will ich nicht noch meinen Urlaub mit ihnen verbringen“, sagt z. B. ein Berliner aus Kreuzberg.
Und tatsächlich kann man manchmal glauben, dass man sich in der Türkei befindet, wenn man – vor allem am Abend – durch bestimmte Kreuzberger oder Neuköllner Straßen läuft. Ein Döner-Imbiss am anderen, dazwischen türkische Gemüsehändler und Bäcker, Friseure und sogar ein türkischen Zentrum für Beckenbodentraining Berlin findet man hier. Belebt wird dieses „Little-Istanbul“ jedoch nicht nur von den Türken, sondern auch von den Berlinern. Besonders freut sie, wenn man an den christlichen Feiertagen wie Karfreitag, Ostermontag oder zu den Weihnachtsfeiertagen doch noch sein frisches Brot, Obst und Gemüse beim Türken kaufen kann, denn für die Moslems gelten diese Feiertage ja bekanntlich nicht.
Inzwischen gehören die Türken zu Berlin ebenso wie das Brandenburger Tor oder die U-Bahn. Geschätzte 40 Tonnen Döner werden täglich in Berlin verputzt und zu guter Letzt verleihen sie der deutschen Hauptstadt einen gewissen orientalischen Charme. Viele türkische Familien leben bereits seit mehreren Generationen hier. Ihre Muttersprache lernen sie nur noch von ihren Großeltern oder anderen Alten. Sie richten ihre Wohnungen inzwischen nicht mehr nur mit Teppichen ein, sondern kaufen sich richtige Betten von Hasena Woodline, moderne Küchen und Designermöbel. Ihre Kinder besuchen Gymnasien, studieren und gründen eigene Firmen. Bereits über 6500 Betriebe in Berlin haben einen türkischen Chef.
Doch eine Reise in die Türkei kann selbst diese größte türkische Ansiedlung in Mitteleuropa nicht ersetzen, denn erst wenn man als Fremder in ihre Kultur eintaucht, bekommt man den richtigen Blick dafür.
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